Depressionen und wie ich sie bisher erlebte

Depressionen und wie ich sie bisher erlebte

Keine Sorge, ich bin seit je her von Depressionen verschont geblieben, aber ich lerne gerade einen alten Freund neu kennen und er hat leider nicht so ein Glück wie ich.

Nachdem ich seit dem Klassentreffen wieder Kontakt zu meiner früheren besten Freundin habe, meldete sich nun auch nach langer Zeit ein weiterer ehemaliger Freund. Er war ebenfalls ein wichtiger Mensch in meinem Leben, mit dem es aus irgendwelchen Gründen auseinander gegangen ist. Aber wie ist es dazu gekommen? Vor ca. einem halben Jahr schrieb mich besagter Freund über Facebook an. Einfach so. Ich war richtig überrascht, denn auch wenn wir ein Jahr davor schon einmal ein wenig geschrieben hatten, habe ich nicht so richtig damit gerechnet noch großartig mit ihm Kontakt aufzubauen. Wir schrieben eine Zeit lang, die Themen wurden richtig ernst und ich war erschrocken, heraus zu finden, dass er mit Depressionen kämpfte. Das letzte halbe Jahr war er wohl in einer Tagesklinik gewesen, um sich helfen zu lassen. Und ich glaube, dass er sich dort vielleicht dachte, dass man mich noch mal anschreiben könnte..? Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall war (und bin ich immer noch) sehr froh, dass er wieder Kontakt gesucht hat. Natürlich werde ich hier nicht ins Detail gehen, was genau seine Probleme sind, das wäre viel zu persönlich. Aber man kann sagen er hat ein ordentliches Päckchen zu tragen.

Warum möchte ich darüber schreiben? Ich habe wieder öfter das Gefühl, dass viele Menschen sich davor sträuben Depressionen zu adressieren. Ich selber zählte dazu. Meine erste Konforntation mit depressiven Menschen war, als ich ungefähr 16 Jahre alt war und natürlich habe ich versucht dieser Person zu helfen so gut es mirmöglich war. Dennoch musste ich mich irgendwann von ihr abwenden, weil ich es nicht ertragen konnte ihm eben nicht so helfen zu können. Außerdem schlug es mir selber zu sehr auf das Gemüt. Ich machte mir ständig Sorgen und merkte, wie ich irgendwann selber regelmäßig weinend zu Bett ging, weil ich mir Vorwürfe machte. Nach dem ich mich aus dem Leben besagter Person zurück zog, nahm ich eine andere Haltung zu der Krankheit ein. Ich versuchte sie herunter zu spielen. Immerhin gibt es immer Menschen, denen es noch viel schlechter geht. Und man sollte froh über das sein, was man hat. Nicht die feine englische Art, ich weiß, aber es war auch ein wenig Selbstschutz. Nachdem ich dann mit weiteren Leuten zu tun hatte, die betroffen waren und ich ebenfalls ein wenig älter und erwachsener geworden bin, konnte ich meine Einstellung zu Depressionen wieder ändern.

Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass sein eigenes Leid immer das schlimmste ist. Natürlich gibt es Menschen, denen es vielleicht noch schlechter geht, das hilft einem aber nicht in seinem Wohlbefinden. Die Probleme, die man selber hat sorgen nun mal dafür, dass es einem nicht gut geht. Ich habe für mich selber herausgefunden, dass - wenn man das akzeptiert - man mit den Menschen geduldiger umgehen kann, denen man helfen möchte. Ich möchte hier jetzt nicht so tun, als habe ich die Weisheit mit Löffeln gefressen, aber das älter werden und Lebenserfahrung sammeln, zusammen mit für mich wichtigen Ratschlägen meiner Patentante, helfen mir zur Zeit meinem Freund zu helfen. Natürlich liegt es auch daran, dass er sich auch helfen lassen möchte und über darüber nach denkt, was wir bereden. Und ich bin immer ehrlich; Man kann durchaus sagen, was man von einer Situation hält, egal ob es positiv oder negativ ist. Wichtig ist finde ich dabei nur, dass man es sachlich begründet. Einige würden jetzt sicherlich sagen, dass sei selbstverständlich, aber das ist es bei weitem nicht. Ich persönlich kannte genug Menschen, die das nicht können und entweder lügen oder so lange ihre Probleme , die sich mit einem haben, unterrücken, bis sie platzen und mit horenden Anschuldigungen bombardieren.

Natürlich ist man als Freund oder Familie kein Therapeut. Da sollte man sich auch niemals etwas vor machen. Niemand wird meinem Freund so professionell und gut helfen können wie der Therapeut, mit dem er redet. Ich halte es für wichtig, den Menschen, bei denen man merkt ihnen geht es wirklich nicht gut, nahe zu legen, dass sie sich professionelle Hilfe holen sollten. Man braucht sich bei weitem nicht dafür zu schämen.

Was ich darüber hinaus festgestellt habe, vor allem bei meinem Freund ist, wir stark er ist. Ich kann mir kaum vorstellen, wie anstrengend es sein muss, gegen die schlechten Gefühle anzukämpfen. Wie viel Kraft es kostet, nicht das Handtuch zu werfen und alles endgültig zu beenden. Wenn ich mir vorstelle, mir gehe es jeden Tag schlecht, ich sei müde und antriebslos und würde es gleichzeitig hassen, dass ich den Arsch nicht hochkriege. Tag täglich. Das sind eine Menge Emotionen, die widersprüchlich sind, auf einen einsprasseln und einen verwirren. Sich da durch zu arbeiten und alles zu entwirren und das zu finden, was einen hier hält, finde ich wirklich beeindruckend. Mein Freund stand (und manchmal steht er dort immer noch) an der Klippe und hat es geschafft, sich davon zurück zu ziehen... und muss immer wieder (wahrscheinlich öfter als mir lieb ist) die Kraft aufwenden, es erneut zu tun. Und dafür bewundere ich ihn.

Tatsächlich konnte ich ihm vor einigen Wochen helfen, Dinge über sich und seine Gefühle herauszufinden, sodass er eine Beziehungspause mit seiner Frau frühzeitig beendete. Und das war ein verdammt gutes Gefühl. Wir hatten lange keinen Kontakt, aber er ist mir sehr schnell wieder ans Herz gewachsen und jemandem zu helfen, der einem wichtig ist, ist einfach wunderbar. Natürlich hatte er die meiste arbeit, weil er, wie oben beschrieben, sich durch seine Gefühle arbeiten musste, aber ich habe es geschafft ihm durch meine Meinungen zu der Situation eine weitere Sichtweise zu geben. So oder so ähnlich hätte ich mir das damals gewünscht als ich 16 Jahre alt war. Ich denke damals war ich einfach nicht reif genug die Situation richtig einzuschätzen. Er hat es auch ohne mich aus seiner Depression geschafft, dennoch denke ich manchmal, dass ich gerne besser darin gewesen wäre der Person zu helfen.

Das sind so meine Encounter, Erfahrungen und Gedanken mit und zu Depressionen und ich bin froh sie zu machen. Auch wenn nicht alles so funktioniert, wie man sich das Außenstehender wünscht. Wie einige meiner Lieblingsschauspieler immer sagen: Always keep fighting, you are enough and you are loved.